Ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung

Ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung

Ein Ereignis von weltpolitischer Bedeutung 380 253 Mindener Bürgerbataillon e.V.

Mindener Bürgerbataillon gedachte der Gefallenen der „Schlacht bei Minden“

„Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme“, sagte einst der französische Philosoph und Politiker Jean Jaures (1859-1914). Das Bewahren stand auch für das Mindener Bürgerbataillon im Mittelpunkt, als sich Stadtmajor Klaus Piepenbrink zusammen mit Kameraden aller Einheiten am 1. August am Denkmal am Wallfahrtsteich versammelte, um damit nämlich die Erinnerung und das Gedenken an eine große Schlacht, die genau vor genau 251 Jahren in der Umgebung Mindens im Bereich Todtenhausen und Hahlen stattgefunden hatte, zu lebendig zu halten. „Es sollte uns auch gelingen, die Flamme zu schüren – die Flamme für Frieden und Verständigung unter den Völkern dieser Erde und Freundschaft und Miteinander der Menschen im täglichen Umgang“, so Piepenbrink in seiner Rede. „Forever friends in Europe!“ in Anlehnung an das Motto des vergangenen Jubiläumsjahres.

Das Mindener Bürgerbataillon hatte es sich einmal mehr erlaubt, die Federführung der Organisation und Durchführung am Denkmal am Wallfahrtsteich zu übernehmen. „1759 sind unsere Vorfahren, sprich die Kameraden des Mindener Bürgerbataillons, mit großer Sicherheit nicht direkt an der Schlacht beteiligt gewesen. Unbestritten dürfte allerdings sein, dass das Bürgerbataillon zu jener Zeit seinen Ordnungs- und Feuerlöschdienst in der Stadt Minden verrichtet hat. Bürgerbataillon und Bevölkerung hätten aber in der Zeit vor und nach der Schlacht unter dem Kriegszustand gelitten. „War doch die Stadt von den Franzosen besetzt und in vielen Häusern Mindens gab es Einquartierungen von Soldaten, die verköstigt werden mussten, was dem damaligen häuslichen Ablauf sehr abträglich und belastend war.“

Die große Bedeutung des Ausganges der Schlacht bei Minden zu Gunsten der vereinigten Truppen Preußens, Englands, Hannovers, Hessen-Cassels, Braunschweigs und Schaumburg-Lippe unter der Führung Ferdinands von Braunschweig über die Französische Armee sei allen heute bewusst. Damals schien sie allerdings nur von untergeordneter Bedeutung zu sein. Es war die Zeit des Siebenjährigen Krieges. Und kurze Zeit nach dem glorreichen Sieg bei Minden verlor Friedrich der Große die Schlacht bei Kunersdorf. Die Preußische Monarchie war in Gefahr.

Minden war eine kurze Schlacht, die am frühen Morgen begann und bis zum späten Nachmittag dauerte. Der Infanterie gelang es mit aufgepflanzten Bajonetten die französische Reiterei in die Flucht zu schlagen. Die Namen der Infanterieführer „Kingsley“ und „Hardenberg“ die diese Angriffe unter dem Hannoverschen General von Spörken führten, sind in die Geschichte eingegangen. Ebenso wie die Namen der beteiligten Infanterie-Bataillone, von denen der Stadtmajor stellvertretend nannte:

– Hannoversche Garde
– Napier
– Stewart
– Welsch Fuseliers
– Prunell

Nicht vergessen dürfe man aber auch Namen wie den des hannoverschen Generals von Wangenheim mit seinen Grenadieren und Graf Wilhelm von Schaumburg mit seiner treffsicheren Artillerie, die hier in der Nähe, am Wallfahrtsteich allen Angriffen der Franzosen standhielten. „Lange Zeit glaubte man, dass die Schlacht bei Minden nur örtliche Bedeutung für den Krieg in Westfalen und am Rhein gehabt hätte. Wir alle wissen, dass die Weltgeschichte ein anderes Urteil gefällt hat. Hannover wäre damals verloren gewesen und England hätte sich Frankreich gegenüber nicht behaupten können.“ Wäre es Marschall Contades am 1. August 1759 gelungen, sich des Stammlandes des englischen Königs – Hannover – zu bemächtigen, dieser handelspolitischen wichtigen Schlüsselstellung, hätten die Franzosen mit diesem Faustpfand die Engländer zur Freigabe der nordamerikanischen Besitzungen zwingen können. „Das dieses nicht geschehen ist, ist die wahre Folge und das Verdienst des Herzogs von Braunschweig.“ Das allerdings ahnten seine siegreichen Truppen am Abend des 1. August 1759, als sie sich mit weißen und gelben Bauernrosen aus Mindener Gärten an der Stiftsallee und der Marienstraße schmückten, nicht!

„Wenn wir hier heute der Schlacht gedenken, ist dies nur möglich, wenn wir den Menschen gedenken, die an dieser Schlacht beteiligt waren.“ Einige Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Schlacht:

Unter der Führung des Herzogs von Braunschweig bestand die Armee aus 41.000 Mann und 170 Geschützen. Das britische Kontingent umfasste zusätzlich ca. 10.000 Mann

Die Franzosen gingen mit 51.000 Mann und 162 Geschützen sowie 10.000 Mann Kavallerie in die Schlacht.

Insgesamt waren also rund 110.000 Mann an der Schlacht beteiligt. Die Stadt Minden hatte übrigens 1722 insgesamt 2959 und 1783 insgesamt 5.173 Einwohner!

Die Verluste durch die Schlacht werden auf alliierter Seite mit insgesamt ca. 4.000 Mann die auf Seiten der Franzosen mit bis zu 11.000 Mann angegeben!

Als man die Schlacht bei Minden schlug, gab es noch keine amtlichen Verlustlisten, aber englische Namen hätten neben deutschen Namen gestanden. Noch immer führen die Nachfolger jener sechs englischen Regimenter das Siegwort MINDEN in ihren Fahnen. „Einige von ihnen waren nach dem zweiten Weltkrieg sogar wieder in Minden oder aber zumindest in Deutschland stationiert. Es handelt sich um die folgenden Regimenter, deren später eingeführte Namen ich kurz nennen möchte: Suffolk Regiment / 12. Infanterie Regiment, Royal Hampshire Regiment / 37. Infanterie Regiment, Royal Welsh Füsiliere / 23. Infanterie Regiment, Lancashire Füsiliere / 20. Infanterie Regiment, King’s Own Yorkshire Light Infantry / 51. Infanterie Regiment und King’ Own Scottish Borderers / 25. Infanterie Regiment.“

Traditionsgemäß treffen sich am 1. August eines jeden Jahres Abordnungen der Britischen Armee, die diesmal aufgrund von Urlaub und Einsatz in Afghanistan nicht anwesend waren, und deutscher Vertreter, um dieser Schlacht zu gedenken. Als Vertreter der Stadt Minden konnte Stadtmajor Klaus Piepenbrink Bürgermeister Michael Buhre begrüßen. Willkommen hieß er die Freunde der Royal British Legion mit Mr. Steve Reid als Chairman of the District of Germany and Chairman of Rheindalen Branch und Wolfgang Meinhardt als President of Minden Branch sowie seitens der Mindener Pioniere den Bataillons-Kommandeur Oberstleutnant Frank Söhnholz. „Ich freue mich aber besonders, eine so große Anzahl von Kameraden des Mindener Bürgerbataillons hier begrüßen zu dürfen, die mit ihrer Teilnahme die Verantwortung des Mindener Bürgerbataillons für die Bewahrung der Geschichte unserer Heimatstadt Minden symbolisieren.“ Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier, bei der Hauptmann Volker Krusche das Kommando inne hatte und zwei junge Kameraden der 2. und 6. Kompanie den Brief des Paulus an die Epheser und das Friedensgebet nach Franz von Assisi vortrugen, vom erstklassigen Trompeter Roger Mead und einem Dudelsackpfeifer, die einmal mehr von der Royal British Legion engagiert worden waren. Selten einmal war die Gedenkfeier in einem schöneren Rahmen durchgeführt worden, was auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die der Zeremonie in Todtenhausen beiwohnten, bestätigten.