Buttjer-Story Nr.4: Zwischenfall beim Freischießen 1732

Buttjer-Story Nr.4: Zwischenfall beim Freischießen 1732

Buttjer-Story Nr.4: Zwischenfall beim Freischießen 1732 380 241 Mindener Bürgerbataillon e.V.

Wenn heutzutage beim Freischießen der Mindener Buttjer bei seiner Kompanie mitgeteilakt ist und sich auf den Königsschuss freut, gibt es Sachen, die früher bei den „Freyschießen“ ganz anders waren.

Jeder schoss mit seinem eigenen Püster und durfte auch vorher damit durch die Stadt marschieren. Es gab strenge Gesetze und hohe Strafen, wenn einer von den Vattermännern an zu spinnen fing und womöglich in die Luft ballerte. Wer keinen eigenen Püster hatte, durfte mit einem Gewehr der Kompanie schießen.

Heute ist das anders. Beim Königsschießen ist der Püster fest auf einem Gestell montiert und keiner kann damit in der Luft rumfuchteln. 1732 kam es aber aus diesem Grund zu einem Zwischenfall, der eine Untersuchung nach sich zog.

Der Bürger Vögeler aus der Fischerstadt hatte seinen Schuss abgegeben und die Wächter hinter der Schanze an der Scheibe zeigten eine Fahrkarte an. Vögeler war tief enttäuscht, weil er schon gehört hatte, dass sein Onkel Ludwig Vögeler aus dem Marktquartier den Knopf getroffen hatte und König werden konnte. Er wollte ihn noch überbieten und jetzt war ihm dieses Missgeschick passiert. Der Anschreiber Hubber laberte gerade im Schießzelt herum. Darum legte Vögeler zum zweiten Mal an und wollte losballern. Das sah jetzt der Anschreiber und schrie ihn an, er solle zurücktreten. Die anderen Bürger im Zelt moserten ebenfalls über den Versuch von Vögeler. Er legte schließlich auch das Gewehr zur Seite und schlich aus dem Zelt.

Dieses Verhalten führte zu einer Untersuchung des Offiziers Collegio am 21. July 1732. Der Anschreiber schilderte nochmals den Vorfall, dass der Vögeler wirklich zum zweiten Schuss angelegt hätte. Der Bürger Lobbe sagte als Zeuge aus und bestätigte ebenfalls die Angaben des Anschreibers. Vögeler selbst sah das aber anders. Hinter ihm hätte ein sehr Langsamer gestanden und für den hätte er den Püster schon mal geladen und ihn überreichen wollen. Er hätte wirklich nicht losballern wollen. Das glaubten ihm aber die Herren Stadtoffiziere nicht und verurteilten ihn zu einer Strafe von einem halben Taler. Das wären heute ungefähr 120 Euro.

Kleines Buttjer-Lexikon

teilaken : gehen, laufen
Püster : Gewehr
Vattermann : guter Freund
labern : reden
losballern : schießen
mosern : kritisieren