6. Kompanie
Die Grimpen
Fischerstadt
Urzelle der VI. Bürgerkompanie ist die Fischerstadt. Auf diesen Stadtteil hat sich im ausgehenden Mittelalter der Bereich beschränkt, für den die Kompanie zuständig war. Dies lag auch zum großen Teil in der besonderen Lage der Fischerstadt begründet.
Geschichte
Das ureigenste Revier der VI. Bürgerkompanie im Mindener Bürgerbataillon ist die Fischerstadt. Im damaligen Sprachgebrauch wurde das Gebiet auch als „Flinte“ bezeichnet.
Deutlich sichtbar auf dem alten Stadtplan von Wenzel Hollar aus dem Jahre 1656 ist auch die abseitige Lage der Fischerstadt, und es wird klar, dass dieser Stadtteil in der Vergangenheit ein besonderes Eigenleben geführt hat.
Mehr Lesen
In der Fischerstadt gab es ein eigenes Rathaus mit einer Gemeindeversammlung, Rat und Bürgermeister. Der Stadtteil war berechtigt, ein eigenes Siegel und ein Banner zu führen.
Trotz des Eigenlebens war das Schicksal der Fischerstadt eng mit der Gesamtstadt Minden verknüpft.
Die Geschichte der VI. Bürgerkompanie , auch „Grimpenkompanie oder einfach die Grimpen „ genannt, beginnt wie die Geschichte des Bürgerbataillons mit dem ersten Freischießen 1682.
Allerdings wurde bei der Restaurierung der Kompaniefahne aus dem Jahre 1802 Hinweise entdeckt, das im Fischerstädter Quartier bereits 1608, also lange vor dem ersten Freischießen, ein Bürgerschießen durchgeführt wurde. Wie der Sieger geehrt wurde und ob er sich König nennen durfte, ist nicht bekannt.
Über 300 Jahr Kompaniegeschichte haben so manche Anekdoten und „Geschichten“ hervorgebracht.
So wurden im Jahre 1729 durch den König Friedrich –Wilhelm I. von Preußen Schanzarbeiten auf dem östlichen Weserufer angeordnet wozu auch alle Bürgerkompanien herangezogen wurden. Für diese Arbeiten erhielten die Kompanien Geldzuwendungen. Alle Bürgerkompanien, mit Ausnahme der Fischerstädter, ließen von dem Geld eine Krone für das Freischeißen anfertigen. Böse Zungen behaupten noch heute, die Fischerstädter hätten ihren Anteil lieber in hochgeistige Getränke angelegt.
Bei den Freischießen war die VI Bürgerkompanie aber im Laufe der Geschichte recht erfolgreich. So war es seit 1685 bis zum Jahre 2000 insgesamt 30 mal möglich den ersten oder zweiten König zu stellen. Hinzu kommen noch 2 Jugendkönige. Besonders Hervorzuheben sind die drei Freischießen, an denen die VI. Bürgerkompanie beide Könige stellen konnte. Diese „Doppelschläge“ gelangen am 7.Juli 1852 mit dem 1. König Friedrich Hanke, Stellmacher, dem 2. König Friedrich Gieseking, Schiffseigner, am 05. August 1950 mit dem 1. König Ernst Aschmann und dem 2. König Josef Dargel und am 1. August 1956 mit dem 1. König Bürger Karl Stroinski (Graf Tunki) und dem 2. König Hauptmann Hans Bevenitz..
Eine weitere Besonderheit in der VI. Bürgerkompanie ist der Grimpenorden. Gestiftet 1898 durch den damaligen Stadtmajor und ehemaligen Chef der VI. Carl Krause war dieser Orden lange Zeit der einzige im Bürgerbataillon. Auch heute noch wird er an die Personen verliehen , die sich um die VI. Bürgerkompanie als auch um das Bürgerbataillon verdient gemacht haben.
Eine besondere Beziehung hatte die VI. Bürgerkompanie zur letzten Brauerei Mindens, der Aktienbrauerei Feldschlösschen (Weser Pils) entwickelt. Da die Braustätte an der Marienstraße im Kompaniebereich lag, war der Schutz dieser Einrichtung immer ein besonderes Anliegen der „Grimpen“. So konnte sich die VI. Bürgerkompanie als die „Schutzmacht“ für die Brauerei bezeichnen. Aber auch an der ABF (Aktienbrauerei Feldschlösschen / später Schultheiss ) ging die Zeit nicht ohne Spuren vorüber. Mit dem Einstellen des Braubetriebes und der später folgenden Schließung der Brauereiniederlassung endetet hier ein Teil Mindener Stadtgeschichte.
Da jetzt mehrfach der Begriff „Grimpen“ gefallen ist, wird es Zeit diesen zu erklären. Der „Grimpe ist (ein heute ausgestorbener) Weserfisch, der zur Gattung der Gründlinge gehört. In früheren Zeiten war er häufig und wohl auch in größeren Mengen im Fang der Weserfischer vorhanden. Da die Mehrzahl der Weserfischer in der Fischerstadt beheimatet war, hat sich dieser Name auf die zur Fischerstadt gehörige VI. Bürgerkompanie übertragen.
In den langen Jahren ihren Bestehens war und ist die VI. Bürgerkompanie immer dem Gemein- und Bürgerwohl verpflichtet. So hat sie mit Ihren Patenschaften und Partnerschaften, sei es zur Bundeswehr in Minden , zum Berliner Stadtteil Wilmersdorf, zum Minenjagdboot „Minden“ oder zur Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger immer für unsere Heimatstadt Minden und das Mindener Bürgerbataillon Flagge gezeigt.
Besonderer Erwähnung kommt in diesem Zusammenhang die Patenschaft zu Einheiten der Bundeswehr des Standortes Minden zu.
Seit dem 14. April 1964 besteht ununterbrochen eine Patenschaft zu einer der in Minden Stationierten Einheiten.
Trotz vielfacher Umgliederung und Umbenennung dieser Einheit hat sich hier eine feste Beziehung und Freundschaft herausgebildet. Dies dokumentiert sich in vielfältigen gemeinsamen Veranstaltungen genauso wie in der zahlreichen Teilnahme der Bundeswehrangehörigen beim Freischießen.
Mit der stetigen Aufnahme neuer, möglicht junger Mitglieder in unsere Reihen wollen wir als traditionsreich Bürgerkompanie auch in der Zukunft unseren Beitrag zur Fortentwicklung des Bürgerbataillons und unsere Vaterstadt Minden leisten.
Besonderheit
Bis zur Preußischen Zeit war die Fischerstadt mit Sonderrechten ausgestattet und führt, obwohl ein Teil der Stadt Minden, ein politisches und gesellschaftliches Eigenleben.
Mit der Einführung des „Preußischen Stadtreglements von 1723“ war die Eigenverwaltung der Fischerstadt zu Ende. Im Laufe der Zeit hat sich auch das Quartier der VI. Bürgerkompanie verändert und erweitert.
Mehr Lesen
Hierbei wurde den Veränderungen der Stadt Minden in ihrer Bebauung besonders in der Zeit Preußens Rechnung getragen.
So zeigt die Karte der „Einteilung der Bürgerschaft Mindens in Corporalschaften und Compagnien“ für die Zeit Zwischen 1847 und 1873 (Aufhebung der Rayonbestimmungen) eine Ausdehnung des Quartiers der VI. Bürgerkompanie um die Bereiche unterhalb der nördlichen Wallanlagen (Marienwallstraße) sowie um den Bereich der Marienkirche und der Hufschmiede.
Kompanieführung
Das Steuer fest in der Hand
Kompaniechef:
- Hauptmann Tobias Sassenberg
- Ringstraße 23 | 32479 Hille
- 0176 24470584
- 6.kompanie@mindener-buergerbataillon.de
Kompaniefeldwebel („Spieß“):
- Feldwebel Torsten Engelhardt
- 6.kompanie@mindener-buergerbataillon.de