Bataillon / Dienstgrade und Uniformen


Die Mitglieder des Mindener Bürgerbataillons gliedern sich nach Offiziers- und Unteroffiziersrängen, die mitausmarschierenden Mindener Bürger nach Gefreitenrängen. Wird innerhalb einer Einheit ein neuer Feldwebel, der „Spieß“ oder die „Mutter der Kompanie“ (bei der Eskadron Oberwachtmeister) benötigt, so wählt die Kompanie sich diesen aus ihrem Chargierten-Korps selbst. Die Einführung eines neuen „Spieß“ ist ein besonders feierlicher Akt, bei dem der Stadtmajor mit seinen Adjutanten, der Bürgermeister, der Stadtdirektor, eine Abordnung der Patenkompanie der Bundeswehr sowie der befreundeten Vereine und Vertreter den anderen Kompanien anwesend sind.

Die Wahl von Offizieren nimmt das Stadtoffizierskorps vor, das seine Sitzungen grundsätzlich im kleinen Sitzungssaal des Rathauses abhält. Auch hier wird nach parlamentarischen Grundsätzen verfahren. Eine Einstimmigkeit wird heute nicht mehr gefordert. Ein Bewerber wird in einer Stadtoffizierssitzung in der Regel von dem betreffenden Einheitschef vorgeschlagen. Zur Wahl steht er aber erst in der nächsten Stadtoffizierssitzung. Zwischen Vorschlag und Wahl soll mindestens ein Zeitraum von einem Monat liegen. Diese Zeit soll dazu dienen, dass eventuelle Bedenken von einem Stadtoffizier an den Stadtmajor herangetragen werden können. Da die Vorschläge meistens aus den Einheiten des Bürgerbataillons kommen, sind sie sehr abgewogen. Vielfach handelt es sich auch um langjährig bewährte Chargierte. Das ist aber keine zwingende Notwendigkeit. Zum Offizier kann jeder unbescholtene Mindener Bürger vom Stadtoffizierskorps nach den genannten Regeln gewählt werden. Gleiches gilt für die Wahl zum Stadtmajor. Auch hier wählt das Stadtoffizierskorps in alleiniger Zuständigkeit. Bei allen Wahlen wird geheim abgestimmt, wenn es ein Sitzungsteilnehmer fordert. Sonst sind die Wahlen offen.

Früher oblag das Recht zur Bestätigung und Einführung eines neuen Stadtoffiziers und auch des Stadtmajors dem Rat der Stadt Minden, da es sich beim Bürgerbataillon um eine städtische Einrichtung handelte. Es zeugt noch heute von der engen Verbindung des Bürgerbataillons zur Stadt Minden, dass sich der Bürgermeister in Beachtung und Würdigung der Statuten der Stadt Minden vom 13. Oktober 1838 Lit. C No. 2 bereit findet, die Ernennungsurkunde zum Stadtoffizier und auch zum Stadtmajor zu unterzeichnen und seine Einführung im kleinen Sitzungssaal des Rathauses in feierlicher Form selbst vorzunehmen.

Die Beförderung von Stadtoffizieren nach ungefähr fünf Jahren obliegt dem Stadtmajor.

Folgende Uniformen werden getragen:

Offiziere:
Frack, Zylinder, schwarzer Querbinder, weiße Weste, rot-weiße Schärpe (als Leibbinde über der Weste unter dem Frack), Degen untergeschnallt, Ringkragen (das Hörnchen), schwarzsilber geflochtene Schulterstücke, weiße Handschuhe, eine rote und weiße Nelke im Knopfloch des Revers.

Adjutanten:
(solche können nur der Stadtmajor und der Rittmeister der Eskadron sich zu ihrer Unterstützung berufen) tragen die Schärpe über dem Frack, von der rechten Schulter zur linken Hüfte.

Der Leutnant trägt keinen Stern, der Oberleutnant einen vergoldeten Stern, der Hauptmann zwei solche Sterne auf den Schulterstücken und auf seinem Ringkragen. Der Oberleutnant trägt gleichfalls einen Stern auf dem Ringkragen. Der Stadtmajor trägt dickere Schulterstücke als sie allgemein bei den Offizieren üblich sind; kein Stern auf den Schulterstücken. Auf dem Ringkragen trägt der Stadtmajor drei vergoldete Sterne. Der Oberstleutnant (einen höheren Dienstgrad gibt es beim Bürgerbataillon nicht) trägt auf den dickeren Schulterstücken einen vergoldeten Stern; auf dem Ringkragen drei Sterne.

Chargierte:
Schwarzer bzw. dunkler Anzug, schwarzer Querbinder, rot-weiß geflochtene Schulterstücke, Degen untergeschnallt, weiße Handschuhe, Zylinder, eine Blume in der Kompaniefarbe im Knopfloch des Revers.

Der Unteroffizier trägt keinen Stern, der Sergeant einen vergoldeten Stern, der Vizefeldwebel zwei vergoldete Sterne, der Feldwebel auch zwei vergoldete Sterne und die Schlüssel und der Ehrenvizefeldwebel drei vergoldete Sterne; alles auf den Schulterstücken.

Mitmarschierer: Schwarzer bzw. dunkler Anzug, weißer Querbinder, keine Schulterstücke. Der Mitmarschierer trägt das von der Kompanie zur Verfügung gestellte Holzgewehr mit Blumen in der Kompaniefarbe.

Der Gefreite trägt einen kleinen vergoldeten Knopf mit Adler, der Obergefreite zwei vergoldete Knöpfe, der Stabsgefreite zwei solche Knöpfe und einen Stern und der Ehrenstabsgefreite zwei Knöpfe und zwei Sterne, jeweils am Kragen des Jacketts.

Offiziere und Chargierte der Eskadron tragen die historische Uniform der Dragoner. Der Dienstgrad des Chefs der Eskadron ist „Rittmeister“; die nachgeordneten Dienstgrade sind Oberleutnant und Leutnant. Sterne, Handschuhe und Degen wie bei den Kompanien.

Chargierten-Dienstgrade der Eskadron sind:

Kavallerist = Kavalerist
Unteroffizier = Unteroffizier
Wachtmeister = Sergeant
Vizeoberwachtmeister = Vizefeldwebel
Oberwachtmeister = Feldwebel

Auch Chargierte tragen Sterne, Handschuhe und Säbel wie bei den Kompanien.

Auch das städtische Tambourkorps ist ein fester Bestandteil (Einheit) des Bürger-Bataillons. Es setzt sich aus Trommlern, Pfeifern, Pauker, Beckenschläger und zwei Lyra-Spielern zusammen. Ein Schellenbaum wird mitgeführt. An der Spitze steht der Tambourmajor. Die nachgeordneten Dienstgrade entsprechen denen der Chargierten in den Kompanien.

Die Uniform des Tambourkorps besteht traditionsgemäß aus weißer Hose, blauem Rock, weißem Koppelzeug, beiderseits an den Schulterstücken Schwalbennester; als Kopfbedeckung wird der rote Helmbusch getragen. Diese Uniform ist den Tambouren des Grenadier- Regiments „König Friedrich I“. (Fridericus Rex) – Mitte des 19. Jahrhunderts – nachempfunden.