Tambourkorps / Geschichte

Die Geschichte des Mindener Bürger-Tambourkorps

Das Mindener Bürger-Tambourkorps ist mit dem Mindener Bürgerbataillon durch eine gleichlange Geschichte verbunden. Die Mindener Tamboure haben eine lange, ehrwürdige Tradition. Sie waren nicht nur beim Mindener Freischießen im Einsatz – vielmehr wurde das Trommeln seit jeher zur Übermittlung von Nachrichten und Befehlen verwendet. Der Zusammenschluss zum Trupp, zum Spiel, zum Tambourkorps oder Spielmannszug ließ sie von der ursprünglichen Nachrichtentruppe zur „Musikalischen Einheit“ werden, die nicht nur bei Ausmärschen den Tritt angab, sondern auch bei vielen geselligen Gelegenheiten zur Freude und Erbauung beitrug.

Nach langen Recherchen bei namenhaften Spielmannszug- und Landesmusikverbänden in ganz Deutschland, gibt es Grund zu der Behauptung, dass das Mindener Bürger Tambourkorps das älteste aktive Tambourkorps Deutschlands ist. Der zweiälteste heute noch aktive Verein geht auf das Jahr 1898 zurück.


Die Anfänge (1650 – 1889)

Die Anfänge der Mindener Tambourkorps liegen, wie die des altehrwürdigen Mindener Bürgerbataillons selbst, tief verbogen im Dunkel des Mittelalters.

Von den spärlich verfassten Schriftstücken wurden große Teile während des 1. und 2. Weltkrieges vernichtet. Die wenigen noch erhaltenen Dokumente geben dem Interessierten Leser jedoch eine interessanten und einmaligen Einblick in die Geschichte der Mindener Tamboure.

Anfangs bestand der Musikzug nur aus Trommlern und Stadtpfeifern. Immer führten sie das Bataillon bei seinen Auftritten an. Sie begleiteten die einzelnen Kompanien bei ihren offiziellen Ausmärschen und waren auf dem Festplatz und im Schießgelände beständig und ausdauernd im Einsatz.

Auszuge aus „Das Wehrhafte Minden“ von Dr. Martin Krieg: „Bei der Neuorganisation nach dem Dreißigjährigen Krieg wird die Neuaufstellung der Kompanien bald nach 1650 begonnen haben.“ 1652 ist von Trommlern die Rede. Wurde bisher vom reinen Scheibenschießen des Bürgeraufgebotes gesprochen, so wurde es ab 1682 mit einem großen Stadtfest verbunden, wobei zum ersten mal das Wort „Freischießen“ in der Sitzung von Rat und Stadtvertretung am 23. Juli 1682 im Protokoll auftaucht.

Während der Freischießen waren die Tamboure immer fleißig im Einsatz, was durch die Verteilung der Freischießen-Kosten eindeutig bewiesen werden kann. Einmal heißt es: „Was die Stadt für die Tambours ausgab, ist unbekannt.“ Zum anderen: „Am 17. Juni 1704 um 4 Uhr morgens wurde die Vergatterung geschlagen.“ „Was sie für die Tambours ausgaben, erhielten sie vom Magistrat ersetzt.“

In der Schilderung der ersten Veränderung im Stadtoffizierskorps 1722 heißt es bei der Wahl des Fähnrichs: „Darauf erfolge dann die Vorstellung bei seiner Kompanie.Von dem mittleren Rott mit zwei Tambours wurde die Fahne unter rührendem Spiel herbeigeholt.“

In alten Aufzeichnungen des früheren Stadtmajors Blancke ist festgehalten, dass Anno 1730, den 05. September, die gesamte Bürgerschaft mit klingendem Spiel hinauszog nach dem gewöhnlichen Schießplatz, der „Schweinebruch“ genannt wurde.

Im Jahre 1747 wurde eine ganz neue Ordnung für Aus- und Einmarsch eingeführt, über die es wie folgt heißt:

1747, den 21. Juni, war der 15. Ausmarsch. Lieutnant Niehuß, begleitet von 2 Senatoren, trug die silberne Krone.

Es gingen voraus:

1. die Tamboure und das Musikkorps,

2. der Stadtoffizieren-Diener,

3. vier Fähnrichs mit ihren Espontons paarweise,

4. der begleitete König,

5. die Ordonanzen mit Gewehr und aufgestochenen Bajonett,

6. der Stadtmajor nebst Adjutanten und

7. die erste, die zweite usw. Kompanie.

In der Aufzeichnung des neuen Status mit Zehn Artikeln im Juni 1838 wurden u.a. Geldstrafen und die Verwendung der Gelder besprochen: „Denn es war ausdrücklich bestimmt worden, dass das Geld der Offizierskasse nur zur Instandsetzung und Ergänzung des Inventars an …Trommeln usw. gebraucht werden durfte.“

1838 berichtete der Herr Stadtmajor Blanke im Mindener Sonntagsblatt u. a.: „Als Insignien des Bürgerbataillons werden außer den Kronen auch die sechs Taftenen Fahnen, eine Standarte, sechs kleine Feldfahnen, fünf messingne Trommeln,eine hölzerne Trommel und drei eiserne Kronen benannt.“

1867 gab es wohl eine Meuterei wegen der Rechtmäßigkeit der Könige. Nach der Wahl eines Gegenkönigs hieß es: „… und führten ihn unter dem Vortritt der ebenfalls meuternden Trommler in die Stadt.”

Aus dem Statut für die Bürger Companien in der Stadt Minden vom 14. May 1868: Unter Punkt 28: „Am Abend vor dem Preisschießen wird Zapfenstreich und morgens am Tage des Preisschießens Reveille und darauf Generalmarsch geschlagen…“ Unter Punkt 35: „Die übrigen Kosten des Festes für… die Trommler fallen der Kämmereikasse zur Last…“

Vor und nach den Weltkriegen (1890 – 1945)

In einem Auszug aus einem Tagesbefehl von 1892 heißt es: „Zur Begleitung der Compagnie-Wachen werden nur die sechs Tambours des betreffenden Bataillons zu dem die wachthabende Compagnie gehört, genommen, die hierfür eine Zahlung von je 1 Mark zu fordern haben. Außerdem erhält der Tambour-Unteroffizier 2 Mark und der auf der Wache bleibende Tambour der Compagnie je 1 Mark extra. Der Musik und den Tambours ist bei hoher Strafe aufs Strengste untersagt, beim Hereinmarsch der Wachen weiter als bis vor das Rathaus zu spielen, resp. zu trommeln“ (Siehe meinen Bataillons-Befehl vom 10. Juli 1886) Minden, den 26.Mai 1892, Der Stadtmajor Gustav Bruns

1927 konnte das erste Freischießen nach dem 1. Weltkrieg wieder begangen werden. Aus dem Tagesbefehl für das Mindener Freischießen 1927:

6. Am Abend des 2. August 7:00 Uhr wird der Zapfenstreich durch die ganze Stadt, Fischerstadt und Neustadt geschlagen am Rathaus angefangen.

Am 3. August morgens 41/2 Uhr wird die Reveille, wie am Abend der Zapfenstreich und um 6 Uhr der Generalmarsch geschlagen, wobei einzelne Tambours in die entlegenen Stadtteile, die Fischerstadt und Neustadt entsandt werden.

8. Um 7 Uhr holt die 6.Kompanie mit dem Musikkorps des 6.Preußischen Pionier Bataillons und sechs städtischen Tambours die Könige, die Herren Fentz und Welp, ab.

Das 1. Bataillon erhält die Musik des 6. preußischen Pionierbataillons und 6 städtische Tambours, mit dem Bataillons-Tambour Althans, das 2. Bataillon die Musik der ehemaligen Militärmusiker und 6 städtische Tambours.

11. Nach dem Vorbeimarsch wird am Aufgang zum Simeonsplatz haltgemacht, damit die Spielleute wieder die Spitze einnehmen können.

28. (Nächtlicher Hereinmarsch) „Zur Begleitung der Kompanie-Wachen werden 12 Tambours kommandiert.“

Umbruch und Modernisierung (1950 – 1993)

Im Jahre 1950, dem ersten Freischießen nach dem zweiten Weltkrieg, waren es der Tambourmajor Heinrich Althans und die Tamboure Albert Detering sen., Fritz Türbsch, Karl Türbsch, Karl Baumgarten, August Meckes und Wilhelm Röhring, die als Trommler an der Spitze des großen Festzuges marschierten. Vier Jahre später führten bereits wieder zwölf Männer das Bataillon an.

Damals übte man für diese Auftritte noch nicht so lange wie heute. Nur sechs Wochen vor Beginn des Freischießens trafen sich die Trommler am heutigen Pionierübungsplatz zum Üben unter einer alten Trauerweide. Diese Trauerweide bekam sehr bald den Beinamen „Wacholderbaum“, denn neben dem „Knüppeln“, wie allgemein das Üben genannt wurde, wurde auch kräftig Wacholder gebechert.

In einem Antrag machte 1967 Tambourmajor Helmut Türbsch dem amtierenden Stadtmajor Kemena den Vorschlag zur Erweiterung des Trommlerkorps zum Spielmannszug. Der Stadtmajor war begeistert und sagte schriftlich am 05.10.1967 seine volle Unterstützung zu. In den folgenden Monaten hatte Helmut Türbsch alle Hände voll zu tun, um Flötisten auszubilden und auch die Instrumente Pauke und Becken zu besetzen.

Üben war angesagt und von nun an traf man sich ein- bis zweimal wöchentlich, um den Leistungsstand zu erreichen, den das Bürgerbataillon von seinem Spielmannszug erwartete. 1968 war es dann so weit: Bei der Zeltabnahme zum Freischießen traten die Spielleute mit großem Lampenfieber zum ersten Mal auf. Der Erfolg war umwerfend. Das Bataillon stiftete seinem Tambourkorps einen Schellenbaum und der ehemalige Bürgermeister Werner Pohle steuerte noch ein passendes Banner dazu bei.

Am 10. April 1981 fand in der Gaststätte zur Nordbrücke eine außergewöhnliche Versammlung statt, mit dem Zweck, das Tambourkorps als eingetragenen Verein mit Satzung zu führen. Dies geschah in der Absicht, minderjährigen Kameraden, die noch nicht dem Bürgerbataillon angehören konnten, eine vereinsrechtliche Heimat zu geben. Außerdem wollte man den Status der Gemeinnützigkeit erlangen.

1982 gab es eine kleine Sensation beim Mindener Freischießen: erstmals seit 300 Jahren war ein Tambour unter den Königen: Sergeant Olaf Zander.

Das Tambourkorps heute (seit 1993)

Seit dem im Jahre 1993 Karl-Emil Zander zum Tambourmajor ernannt wurde, prägten einschneidende Veränderungen das Vereinsleben des Tambourkorps.

Tambourmajor Zander setzte sich für eine Verselbstständigung der Tamboure ein und so gelang es ihm, das Tambourkorps wirtschaftlich nahezu unabhängig vom Mindener Bürgerbataillon zu machen.

Die Position des betreuenden Offiziers einer externen Einheit des Bürgerbataillons wurde 1997 auf Wunsch der Tamboure vollständig aufgegeben – Einheitschef war von nun an der Tambourmajor. Gleichzeitig wurden die Tamboure auch als vollwertige Einheit in die Statuten des Mindener Bürgerbataillons eingetragen und erhielten somit auch ein vollständiges Stimmrecht bei Vorstandsversammlungen.

Am 05. Februar 2004 wurde die Patenschaft zwischen der 5.Kompanie des schweren Pionierbataillons 130 und dem Tambourkorps des Mindener Bürgerbataillons offiziell besiegelt. Der Austausch der Urkunden wurde in der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne vorgenommen. Freundschaftliche Beziehungen zwischen beiden Einheiten bestehen seit der Umstrukturierung der Bundeswehr. Der Abschluss der Patenschaft war nur noch eine Frage der Zeit, nachdem sich die rund 25 Tamboure unter Leitung von Tambourmajor Karl Emil Zander und die 5.Kompanie der Pioniere unter Leitung von Hauptmann Oliver Kopza in den vergangenen Jahren schon zu mehreren gemeinsamen Veranstaltungen trafen, sich enge freundschaftliche Beziehungen entwickelten und von beiden Seiten der Wunsch zur Gründung der Patenschaft geäußert wurde.

2006 wurde dem Mindener Bürger Tambourkorps, vertreten durch den Tambourmajor Karl-Emil Zander, die höchste Auszeichnung des Mindener Bürgerbataillons zuteil: die Eintragung in das Ehrenbuch.

Preußische Traditionsmärsche bilden heute das Gros im Repertoire des Klangkörpers. Klar – denn auch die Uniform ist echt preußisch und wurde von den Soldaten des Kaiserreiches bis ca. 1916 getragen. Neben den Traditionsmärschen gehören auch Eigenkompositionen und Werke berühmter Komponisten zum musikalischen Angebot des Tambourkorps. Auch der große Zapfenstreich wird regelmäßig bei besonders feierlichen Anlässen aufgeführt.

Wo das Tambourkorps in den vergangenen Jahrzehnten auch auftrat: Der Beifall war dem Spielmannszug sicher. So hat sich das Ensemble mittlerweile nicht nur als achte Einheit des Bürgerbataillons etabliert, sondern gilt auch als musikalisches Aushängeschild und exzellenter kultureller Werbeträger der Stadt Minden. So zum Beispiel bei den Feiern zum 750-jährigen Stadtjubiläum von Berlin: die Tamboure marschierten mit klingendem Spiel durch die Metropole an der Spree und eroberte die Herzen der Berliner im Sturm. Bei der Taufe eines Lufthansa-Flugzeuges auf den Namen der Stadt Minden umrahmte das Tambourkorps den Festakt auf dem Flughafen Hannover. Der ADAC buchte das Tambourkorps mehrfach im Rahmen seiner großen Oldtimerralleys. Auch beim 50-jährigen Jubiläum des Landes Nordrhein-Westfalen 1996 in Düsseldorf war das Tambourkorps mit hunderten Gruppen und Musikzügen im Einsatz – sogar der damalige Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau würdigte die Leistungen des Tambourkorps in einem persönlichen Brief.

Im Jahre 2011 stimmte das Bürgerbataillon bei seinem jährlichen Bataillonsappell – ohne eine Gegenstimme – für eine einschneidende Satzungsänderung des Mindener Bürgerbataillons e.V. Von nun an gehören sowohl der Einheitschef als auch der Korps-Feldwebel zum geschäftsführenden Vorstand des Mindener Bürgerbataillons, so wie bei allen anderen Einheiten des Bataillons üblich.

Im März 2012 wurde Tambourmajor Patrick Zander bei einem feierlichen Appell im Großen Rathaussaal der Stadt Minden zum neuen Tambourmajor und Einheits-Chef des Bürger Tambourkorps ernannt. Ehren-Tambourmajor Karl-Emil „Mücke“ Zander wurde der erste neu erlernte Marsch seit über 20 Jahren gewidmet – „Gruß an Mücke“.