Preußische Wurzeln spiegeln sich wieder

26 Apr, 2016

2. Kompanie weiht ihre neue Fahne in der Martinikirche und stellt sie im Großen Rathaussaal in Dienst

Stolz sind sie. Hauptmann Volker Krusche, sein Spieß Thorsten Hunger und die Kameraden der 2. Kompanie. Stolz auf ihre neue Fahne, die mit einem Gottesdienst in der Martinikirche durch Pfarrerin Katja Reichling in Anwesenheit zahlreicher Gäste und Kameraden des Mindener Bürgerbataillons geweiht und anschließend im Großen Rathaussaal im Beisein von Bürgermeister Michael Jäcke und Stadtmajor Heinz-Joachim Pecher offiziell in Dienst gestellt wurde.

Ein Jahr, nachdem eine eingesetzte Kommission der Kompanie den Entwurf von Historiker Dr. Frank Pauli präsentierte und dabei einstimmig die Zustimmung für die Gestaltung der neuen Fahne erhielt, konnte Kompaniechef Hauptmann Krusche das wunderschöne Prunkstück nun in Dienst stellen. Dazwischen lag ein Besuch der Kompanieführung bei der Fahnenfabrik Kössinger in Schierling nahe Kelheim, bei der letzte Details abgesprochen und „grünes Licht“ für die Fertigung erteilt wurde.

Die neue Fahne der „Twooten“ ist ganz anders als ihre bisherigen, auch völlig anders als die Fahnen der anderen Einheiten des Mindener Bürgerbataillons. Wie Dr. Pauli umschrieb,  sei aus Traditionsgründen Rückgriff auf altpreußische Regimentsfahnen genommen worden. „Im Jahr 1713 legte der König von Preußen und Fürst von Minden, Friedrich Wilhelm I., einheitliche Maße und Motive für Fahnen und Standarten seiner Truppen fest – ein Grundmuster, das sich für etwa 250 Jahre in den deutschen Streitkräften durchsetzen sollte.“ Die altpreußischen Grundsätze wurden in der neuen Fahne der 2. Kompanie umgesetzt. Als Hauptfarben neben den Metallen wurden Weiß und Rot gewählt. „Die Farbe Rot war nach der preußischen Farbenfolge in preußischen Bataillonen  stets die Farbe der zweiten Kompanie – selbst die deutsche Bundeswehr folgte in dieser Hinsicht der preußischen Farbfolge.“ Durch die Übernahme der altpreußischen Feldverteilung entstand eine Kreuzform, die genauso an die christlich-abendländische Kultur des Bürgerbataillons erinnert, wie es die gekreuzten Schlüssel des ersten Papstes der Christenheit im Mindener Stadtwappen tun.

Statt der altpreußischen Lorbeerkränze, den Symbolen des Sieges, wurden für die Fahne der 2. Bürgerkompanie Eichenlaubkränze gewählt. „Die Eiche ist ein heimatliches Gewächs, dessen bekannteste Eigenschaft, das harte Holz und das hohe Alter, in besonderer Weise die Stärke der Tradition im Mindener Bürgerbataillon und die Heimatverbundenheit der Westfalen symbolisiert.“ Ebenso wurde das altpreußische Gold in den Kränzen und dem Fransenrand der Fahne ersetzt durch die Metallfarbe Silber. „Sie soll nicht an absolutistische Prachtentfaltung erinnern, sondern – besonders in ihrer Verwendung an Fahnen – als Symbol für Bescheidenheit und sparsames Maßhalten stehen – preußische Werte, die der Fahnenkommission der 2. Kompanie als Tugenden und als überlieferungswürdige Werte durchaus passend für eine Mindener Bürgerkompanie erschienen“, so Dr. Pauli in seinem Festvortrag.

An Symbolen, deren Zahl in der neuen Kompaniefahne auf nur drei beschränkt wurde, kam der Adler des Großen Kurfürsten neu hinzu. Er symbolisiert mit nur einer Figur, in kurzer und knapper Weise, was in der alten Fahne noch mit vielfältigen Symbolen und Jahreszahlen versucht wurde, auszudrücken: Kurfürstliche Verordnung über das Mindener Freischießen, Küren des besten Schützen aus den Reihen der wehrfähigen Bürger, Stiftung der Schießprämie. Der Wappenadler des Großen Kurfürsten ist auf der neuen Fahne auf beiden Seiten in den Ecksiegeln zu finden, was prinzipiell auch den altpreußischen Vorbildern entsprach.

Als neues Symbol erschien weiterhin das Emblem der 2. Kompanie, welches in den 1970er Jahren entworfen wurde. Das Kompanie-Emblem ziert auch die nunmehr gefüllte und verchromte Spitze des Fahnenstocks.  Als Symbol der alten Fahne wurde zudem das Mindener Stadtwappen berücksichtigt.

Die komplette Festrede mit hochinteressanten geschichtlichen Fakten ist unter diesem Link zu finden: Festrede Fahnenweihe am 23.4.2016

Mit ihrem leuchtenden Rot sticht die neue Fahne der 2. Kompanie wahrlich heraus und ist schon aus großer Entfernung auszumachen. Gäste und Kameraden waren sich einig, dass die 2. Kompanie eine wunderschöne Fahne ihr eigen nennen darf.

Bei der feierlichen Weihe in der Martinikirche hatte Pfarrerin Katja Reichling hervorgehoben, dass eine Fahne für das Leben sein solle, ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Kompanie für das Gemeinwesen Position beziehe. „Erst die Menschen machen aus dem Stück Stoff ein Symbol.“ Und dieses Bekenntnis findet sich auch nach wie vor auf der Fahne wieder, dann der Wappenspruch der Stadt Minden ist geblieben: Recht und Gerechtigkeit sind das feste Band der Gemeinwesen.

Bürgermeister Michael Jäcke war von der neuen Fahne begeistert: „Sie gefällt mir außerordentlich. Hier wurde gute (Hand)-Arbeit geleistet! Die Fahne geht der Kompanie immer voran und hat eine wichtige Bedeutung – nicht nur beim nächsten Freischießen 2017.“

Stadtmajor Heinz-Joachim Pecher schloss sich der Einschätzung des Bürgermeisters an. „Die Fahne ist gelungen und verleiht ihrer Einheit einen neuen Glanz. Möge sie trotz aller Herausforderungen immer stabil und reißfest bleiben sowie die Zukunft der Kompanie – auch mit Blick auf das Freischießen 2017 – über die nächsten Jahrzehnte erfolgreich begleiten.“

Mit der Übergabe von Fahnenbändern der Damen der 2. Kompanie und durch Hauptmann und Kompaniechef Marcus Henninger für die 1. Kompanie sowie dem Wechsel im Amt des Fahnenträgers von Vizefeldwebel Wolfgang Lüdecke auf Sergeant Marc Willemsen endeten zwei würdige Veranstaltungen in der Mindener Ratskirche und dem Mindener Rathaus.

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