Ein Mindener Buttjer übergibt den Tambourstab

05 Apr, 2012

Minden. Von Zander zu Zander: Chefwechsel bei den „Trobimmlern“ des Bürgerbataillons. Karl-Emil „Mücke“ Zander stand nie an der Spitze des Bürgerbataillons. Doch seine eindrucksvoll gegebenen Zeichen an der Spitze aller Freischießen-Umzüge, verbunden mit der Uniform nach preußischem Vorbild schlugen die Zuschauer immer wieder in den Bann. Als Tambourmajor zeigte er seit 1993 beim Freischießen, wo es lang ging. Am Freitag dirigierte Karl-Emil Zander zum letzten Mal die Tamboure, bevor sein Nachfolger Patrick Zander im Großen Rathaussaal in sein Amt eingeführt wurde.

Das Mindener Bürger-Tambourkorps, das älteste ununterbrochen aktive Tambourkorps Deutschlands, ist eine familiär geprägte Einheit. Womöglich liegt hierin auch ein Grund für die meist langen Dienstzeiten der Tambourmajore – seit 1906 ist dies erst der sechste Wechsel. Über Jahre finden sich ganze Dynastien verwandter und verschwägerter Tamboure. So verwundert es nicht, dass dem 63-Jährigen Onkel nun der 24 Jahre alte Neffe im Amt folgt, der in der Öffentlichkeit bereits beim „Minden Tattoo 2009“ auf dem Simeonsplatz und zuletzt beim Empfang der Stadt für die zurückgekehrten Pioniere mit seinen Spielleuten in Erscheinung trat.

Feierlich, freundschaftlich und familiär ging es beim Chefwechsel zu. Für Musik sorgten meist nicht die Tamboure selber. Sie unterstützen üblicherweise alle zeremoniellen Anlässe des Bataillons und der Bürgerkompanien, doch Freitag standen sie selbst im Mittelpunkt. Daher kümmerten sich  die  Feuerwehrkapelle Barkhausen zusammen mit den Dützer Straßenmusikanten um den musikalischen Rahmen. In Vertretung von Stadtmajor Klaus Piepenbrink verlas Hauptmann Burkhard Beyer die erforderlichen Urkunden. Beyer beförderte den scheidenden Tambourmajor zum Ehrentambourmajor, den neuen zum Vizefeldwebel und ernannte ihn dann zum Tambourmajor, übernahm den Schellenbaum aus den Händen „Mücke“ Zanders und übergab ihn an den Nachfolger Patrick Zander. Karl-Emil Zander überreichte seinem Nachfolger ebenfalls den über 100 Jahren alten Degen der Tambourmajore, der nach einer mündlichen Überlieferung aus dem Jahre 1906 von Tambourmajor zu Tambourmajor weitergereicht wird.

Doch nicht nur das Formelle beeindruckte viele Gäste, sondern auch das Persönliche: „Bei jedem Haupttag des Freischießens, wenn wir am Beginn des Parademarsches durch die Stadt mit Musik in die Simeonsstraße einbogen, hatte ich Gänsehaut. Das kann man gar nicht erklären, aber es ist so.“ Karl-Emil Zanders Worte ließen immer wieder die Leidenschaft  für die Tamboure, das Bürgerbataillon und seine Heimatstadt erkennen. Doch „Mückes“ Leidenschaft gilt nicht nur dem Tambourkorps, dem er seit 41 Jahren angehört. Annähernd ebenso lange ist er verheiratet, und so gab es für Ehefrau Rosi nicht nur Blumen, sondern auch ein charmantes Bekenntnis: „Ich bin immer noch in Dich verliebt.“ Was Rosi Zander nicht daran hinderte, den Blick fürs Ganze zu behalten. „Ins Wohnzimmer kommt das aber nicht“, kommentierte sie halblaut und unter Beifall und Heiterkeit ein großformatiges Dankgeschenk der Tamboure an ihren „Mücke“.   

Die Tamboure hatten für Ihren scheidenden Tambourmajor zudem ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk einstudiert. Wie Feldwebel Olaf Zander in seiner erheiternden Laudatio feststellte, habe Mücke alles für „sein“ Tambourkorps geleistet und geschafft. Nur einen neuen Marsch hätte er den Tambouren nicht beibringen können. Dies hatten die Spielleute kurzerhand selbst in die Hand genommen und präsentierten den neuen Marsch „Gruß an Mücke“, basierend auf einer Komposition von Friedrich Spohr.

Gratulationen und Grußworte des stellvertretenden Bürgermeisters Egon Stellbrink, der Kompaniechefs des Bürgerbataillons, der Prinzengarde Ovenstädt und der Patenkompanie 5./130 aus der Bundeswehr unterstrichen die Jahrzehnte langen Aktivitäten Zanders. Dazu gehören die prägende Mitarbeit in der Musikkommission des Bürgerbataillons, die die „klangliche“ Planung des gesamten Freischießens in Händen hat, aber auch die intensive Arbeit an der 2007 vorgestellten Chronik des Tambourkorps. Schließlich war es Zander bereits 1997 gelungen, das Tambourkorps zu einer den übrigen Kompanien gleichgestellten Einheit des Bürgerbataillons zu machen.   „Ich habe versucht, meine Pflichten zu erfüllen“, beschrieb der Gelobte sein eigenes Selbstverständnis. Dass die Anwesenden in Zanders Engagement mehr sahen, zeigte der spontane Beifall im Stehen nach der Übergabe. 

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